Geld, das auf dem Girokonto liegt, verliert jedes Jahr an Wert. Ich dachte lange, Anlegen sei kompliziert. Der Einstieg war dann doch einfacher als gedacht.
Hinweis
Dieser Artikel ist keine Anlageberatung oder Empfehlung, sondern lediglich ein Einblick in meine persönliche Strategie und wie ich mein Depot aufbaue. Jede Anlegerin und jeder Anleger tickt anders und muss ihren oder seinen eigenen Weg finden.
1. Die späte Erkenntnis
Lange Zeit war mein Ansatz simpel: Geld auf dem Girokonto anhäufen und „leben". Ganz getreu dem Motto: „Was kostet die Welt, ich nehm zwei". Die Inflation zog leise ihre Bahn – und ich merkte erst nach Jahren, wie viel Kaufkraft ich verschenkt hatte. Es war nicht eine einzelne Entscheidung, sondern das Ignorieren eines Problems, das ich mich nicht gekümmert hatte.
Vor ein paar Jahren habe ich den Pfad gewechselt und angefangen, mein Geld tatsächlich anzulegen. Aus einem „Darüber müsste ich mich mal informieren" ist schnell eine Art Hobby geworden. Was mich bis heute motiviert: zu sehen, wie die Anlagen regelmäßig Cashflow generieren. Eine Ausschüttung, ein Zins, eine Dividende – das fühlt sich an, als würde das Geld für mich arbeiten, statt im Hinterzimmer vor sich hin zu rosten.
Mein Ziel: Barista-FIRE
Barista-FIRE steht für Financial Independence, Retire Early – zu Deutsch: finanziell unabhängig, früher entschleunigen. Man arbeitet dabei weiterhin, aber nur noch so viel, um die laufenden Lebenserhaltungskosten zu decken – etwa in einem entspannteren Teilzeitjob (daher „Barista“). Das investierte Vermögen bleibt unangetastet und wächst durch Rendite und Zinseszins weiter.
Das ist auch mein Ziel: irgendwann genug aufgehäuft zu haben, um die alltäglichen Ausgaben nur noch aus der (Teilzeit-)Arbeit zu bestreiten, während das Depot in Ruhe weiterarbeitet. Konkret wünsche ich mir, mir in den Fünfzigern mehr Zeit zu schaffen – unter anderem für hoffentlich kommende Enkelkinder.
2. Warum Anlegen wichtig ist
Zwei Gründe zählen für mich wirklich:
- Die Inflation frisst still und leise das Ersparte auf. Bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent verliert ungenutztes Geld jedes Jahr spürbar an Kaufkraft – ein schleichender Prozess, der meist erst auffällt, wenn es zu spät ist.
- Altersarmut ist näher, als man denkt, denn die gesetzliche Rente wird für die Mehrheit nicht ausreichen. Wer früh vorsorgt, baut sich ein Polster auf, um diese Lücke zu schließen – wer zu lange wartet, spürt sie schmerzhaft genau in dem Moment, in dem das Gehalt wegfällt.
Keiner braucht ein riesiges Startkapital. Wichtig ist, irgendwo anzufangen. Auch aus kleinen Beträgen kann später ein beträchtliches Kapital entstehen. Was für ein Kapital möglich ist, kann sich jeder auf der folgenden Seite individuell ausrechnen lassen: Parqet - Sparplanrechner
3. Mein Weg zur Geldanlage
Ich bin in vier Schritten vorgegangen:
- Notgroschen anlegen – da ich mein Geld bisher einfach auf dem Girokonto hatte, war der Notgroschen bei mir im Prinzip schon da. Drei bis sechs Monate Rücklagen waren durch das angehäufte Guthaben gedeckt. Sinnvoll ist es, den Notgroschen auf ein Tagesgeldkonto zu parken, um auch hier Zinsen abzugreifen.
- Depot eröffnen – danach habe ich ein klassisches Aktiendepot eröffnet. Nach etwas Recherche bin ich bei Scalable Capital gelandet. Für langfristige Investments ist das völlig ausreichend. Nebenbei: Inzwischen gibt es dort auch Tagesgeld-, Festgeldkonten und Kinderdepots.
- ETF und Strategie festlegen – für den Anfang habe ich einen breiten All-World-ETF als Kern gewählt. Er streut über tausende Unternehmen und Regionen und gab mir für den Anfang ein Gefühl der Sicherheit. Wobei es nach meinem ersten Investment direkt bergab ging 😨. Aber da ich mich im Vorfeld gut informiert hatte, bin ich nicht direkt in Panik verfallen.
- Sparplan starten – über einen Sparplan kaufe ich monatlich Anteile des ausgesuchten ETFs und bei Rücksetzern im Aktienmarkt kaufe ich auch mal größere Positionen mit dem vorhandenen Kapital.
4. Meine aktuell Strategie als Beispiel
An einem fiktiven Depot von 100.000 Euro möchte ich zeigen, wie die für mich optimale Aufteilung aussehen sollte. Es ist keine Anlageempfehlung, sondern die Struktur, an der ich mich aktuell orientiere und mit der ich gut leben kann.
| Baustein | Anteil | Betrag | Funktion |
|---|---|---|---|
| Thesaurierender All-World-ETF | 40% | 40.000 € | Langfristiger Depotkern |
| Ausschüttende ETFs | 30 % | 30.000 € | Sichtbarer Cashflow und Motivation 🤑 |
| Einzelaktien | 20 % | 20.000 € | Zusätzliche Wachstumschancen |
| Bitcoin | 5 % | 5.000 € | Hochriskanter Renditebaustein |
| P2P, etwa Monefit | 5 % | 5.000 € | Zinsertrag 7,5% bis 10% mit erhöhtem Ausfallrisiko |
| Gesamt | 100 % | 100.000 € |
Der Kern: Die 40 Prozent im thesaurierenden All-World-ETF bilden das Fundament. Sie sorgen für eine weltweite Streuung und minimieren das Risiko einzelner Unternehmen. Da die Erträge direkt reinvestiert werden, arbeitet der Zinseszins im Hintergrund für dich.
Die 30 Prozent in ausschüttende ETFs haben vor allem einen Zweck: Motivation. Natürlich sind Ausschüttungen kein zusätzlicher Gewinn, da sie direkt aus dem Fondsvermögen abgezogen werden. Aber sie sind ein sichtbares Signal, dass das Geld für einen arbeitet – und genau das hilft, langfristig diszipliniert zu bleiben. Je nach persönlicher Vorliebe lässt sich das über verschiedene Ansätze abbilden: ob global gestreut, mit Fokus auf hohe Dividenden oder auf fundamentale Stärke. Meine aktuellen Favoriten dafür:
- VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders: Ein sehr beliebter Dividenden-ETF auf Industrieländer mit rund 100 großen, dividendenstarken Titeln, der quartalsweise ausschüttet.
- L&G Global Quality Dividends: Der L&G setzt auf Unternehmen mit stabilen und wachsenden Dividenden, gleichgewichtet und monatlich ausschüttend. Praktisch, wenn man den Cashflow öfter sehen will.
- iShares World Equity High Income – Ein aktiv gemanagter Covered-Call-ETF mit besonders hoher Ausschüttungsrendite. Wichtig zu wissen: Die üppigen Ausschüttungen sind kein Gratis-Bonus, sondern werden durch das Schreiben von Optionen erkauft – das limitiert das Wachstumspotenzial bei starken Kursanstiegen.
So ergibt sich ein regelmäßiger, sichtbarer Cashflow. Und dank der Mischung aus breitem Welt-ETF und Dividendenschwerpunkt bleibt das Depot solide diversifiziert. Ein netter Nebeneffekt: Wer den ausschüttenden Teil so dimensioniert, dass die Erträge unter dem Sparer-Pauschbetrag bleiben (1.000 Euro für Alleinstehende, 2.000 Euro für Verheiratete), zahlt darauf keinen Cent Steuern.
Die Satelliten: Die 20 Prozent für Einzelaktien setze ich gezielt ein. Dazu gehört durchaus auch mal ein spekulativer Wert, solange klare Grenzen stehen: Eine Position sollte nie mehr als zwei bis drei Prozent des Gesamtdepots ausmachen, und der All-World-Kern bleibt unangetastet. Zudem ist es aus meiner Sicht essenziell, sich mit den Fundamentaldaten zu befassen, statt blind jedem Hype zu folgen. Und klar: Selbst bei fundamental starken Unternehmen kann es nach dem Einstieg erst einmal abwärts gehen – genau deshalb kaufe ich in Tranchen und halte solche Durststrecken aus.
Die 5 Prozent Bitcoin sind ein kontrollierter Risikobaustein. Wichtig ist hier vor allem, nicht im Hype zu kaufen, sondern dann, wenn es günstig ist und ihn kaum noch jemand haben will. Ich habe zum Beispiel im Februar und März 2026 zugegriffen, als der Bitcoin ordentlich Federn gelassen hat.Ein steuerlicher Punkt bleibt dabei wichtig: Wer länger als ein Jahr hält, profitiert aktuell von steuerfreien Gewinnen. Achtung: Das Bundesfinanzministerium plant, die Einjahresfrist ab 2027 abzuschaffen.
Die 5 Prozent P2P-Kredit über eine Plattform wie Monefit können zwar mehr Zins abwerfen, aber das Risiko beschränkt sich nicht nur auf die Kreditausfälle der Kreditnehmer. Plattformrisiken, Liquiditätsrisiken und Rechtsrisiken kommen schließlich noch dazu. Aus diesem Grund habe ich klare Regeln: Erstens investiere ich nicht mehr als fünf Prozent des Gesamtvermögens. Zweitens nutze ich dafür ausschließlich Geld, das ich nicht brauche. Und drittens ziehe ich Rückflüsse regelmäßig ab und lasse sie direkt in das Aktiendepot fließen.
Rebalancing: Regelmäßig prüfe ich die Gewichte der Bausteine. Wenn einer davon sein Ziel deutlich verfehlt, handele ich. Neue Sparraten lasse ich dabei bevorzugt in die untergewichteten Bereiche fließen. Das spart unnötige Verkäufe und somit die Steuerbelastung.
5. Mein Fazit
Im Kern ist das mein ganz persönlicher Weg. Ein Depot, das zu 70 Prozent auf ETFs basiert, mit zwanzig Prozent kontrollierten Einzelaktien und zehn Prozent spekulativeren Anlagen. Ich bekomme meine sichtbaren Ausschüttungen, ohne mich davon abhängig zu machen, und halte das Risiko bei den alternativen Bausteinen klein. Für meinen Zeithorizont von mindestens zehn Jahren funktioniert das für mich sehr gut.
Das Wichtigste vor allem: Einfach anfangen. Egal wie klein die Beträge am Anfang sind. Die regelmäßigen Ausschüttungen motivieren mich persönlich riesig, und genau dieses Gefühl hilft mir, langfristig am Ball zu bleiben.
Weiterführende Links:
Quellen:
- Eigene Anlagepraxis (Stand: September 2026)
- Grundlagen zu Inflation, Zinseszins und Depotstruktur auf Basis allgemein zugänglicher Informationen (Stand: September 2026)
Hinweis zu diesem Artikel: Der Text ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und keine Anlageberatung. Textentwurf und Recherche entstanden zum Teil mit KI-Unterstützung, Redaktion und Fachinhalte von mir. Das Beitragsbild ist KI-generiert.